nachdenkliche wehrpflichtige: hundert mann (teil 1, 1980, finger für deutschland-festival, ratinger hof, düsseldorf)
Sonntag 23. November 2008, 17:27
Abgelegt unter: Finger fuer Deutschland

die nachdenklichen wehrpflichtigen hatten bei dieser gelegenheit ein undankbares publikum und finger für deutschland geriet passend dazu bei nächster gelegenheit in die fänge der missgünstigen nachwelt:

hundert mann teil 1

…so beschrieb ein gast in der spex 3/81 seine impressionen:

am 27.9.80 (falsch) fand im ratinger hof ein festival statt: finger für deutschland. initiatoren waren eine grössere künstlergruppe, die ihre bilder, videos und anderes ausstellungsgut in verbindung mit musik präsentieren wollte.

für dieses spektakel gab es zwei vorläufer: beginn war die aktion pisskrücke/geheimdienst am nächsten in hamburg. vierzehn künstler stellten aus, eine underground-party garnierte den abend, und sven ake johannsson zelebrierte seine musik-performance. schlagzeugklänge der jazzigen art.

in berlin firmierte das künstlerprojekt unter dem ermutigenden titel elend. im berliner so36 (stimmt nicht) traten dabei white russia, mania d, mittagspause, luxus und s.y.p.h. auf. dias wurden ebenfalls gezeigt. ina barfuss und thomas wachweger, mitinitiatoren der kunst und musikrundreise, führten ihre gemalten und collagierten werke im so36er underground-zwielicht vor. ein weiterer teilnehmer der veranstaltung war ein entertainer mit zweifelhaftem talent: kippenberger - bühnenartist von eigenen gnaden (seit der pubertät-erfolglos…)

bei der finger für deutschland-kunstaktion im ratinger hof traten die gruppen salopp, vielleichtors und die grugas auf; wieder mit kippenberger, der etwa eine halbe stunde lang das publikum nervte, indem er am mikrofon stehend immer wieder “sticks” (schlagzeugstöcke) für den drummer wünschte (stimmt nicht).
danach die panzerknacker, die sich an diesem abend die hitlers nannten. im zusammenspiel mit drei schlagzeugern fand eine session mit einigen new wave musikanten statt.
ein intimfilm wurde uraufgeführt, der ddr-exilant ralf winkler trug gedichte vor, die motherfunker (funkboten) spielten ihr synthi-funk-repertoire, und die nachdenklichen wehrpflichtigen aus hamburg zeigten, wie man es mit unterstützung der sounds zu etwas bringt.

zuerst einmal die besetzung: fünf (!) saxophonisten sorgten von vornherein für die richtige katastrophen-free-jazz-atmosphäre. wehe wenn sie losgelassen - oder auch: der gehörschaden und seine progressive eigendynamik. gitarre und rhythmusmaschine sorgten für perfektes rhythmisches durcheinander. an der orgel mit gesang: diedrich diederichsen, seines zeichens neue welle kolumnist der sounds. er trug soldatenlieder mit angedeuteter “psychosozialer intellektuellenproblematik” vor. schlimmer gehts nimmer.

(jürgen stark und michael kurzawa in: der grosse schwindel ???, verlag freie gesellschaft, frankfurt 1981)

hundert mann teil 2

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1 Kommentar
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wunderschön, merci dafür, Eva

Kommentar von Eva 01.05.09 @ 14:34



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