der kultmann: himmel über der wüste/dirty needs: wild boys (1978)
Sonntag 19. April 2009, 12:55
Abgelegt unter: Musik, Text

Tach,

hier schreibt erneut der Kultmann aus dem mittleren Osten, sollte besser eigentlich höchste Öde heißen. War mal wieder auf rondo-ton und hab mir das Interview Teipel/Bielmeier angehört. Amerikanische Autos, Mae West? Genau mein Ding!

Ist hier in Arabien eine der richtig guten Sachen. Amerikanische Autos, wenn auch leider keine alten, denn Autos über 20 Jahre sind verboten. Und schon ab 10 Jahren darf man ein Auto nicht mehr verkaufen. Also weiter fahren oder verschrotten oder in den Oman exportieren. Abwrackprämien brauchen die echten Hiesigen sowieso nicht. Aber auch die aktuellen Boliden hören sich noch genauso gut an wie die Kunstwerke aus den 50igern bis ganz ganz frühen 70igern. Vau Acht halt. Wunderbare Maschinenmusik. Detroit. Und Ann Arbor ist da nicht weit weg.

Sprit verdampfen in Arabien. Absolut erste Bürgerpflicht. Ist auch der Grund warum ich hier bin. Hier wird eine Formel Eins-Rennstrecke in die Wüste geklotzt. Und da verdiene ich mir eine Handvoll Petro-Dollar.Trotz Überfluss an fossilem Brennstoff herrscht an allen Tankstellen ein Andrang als gäbe es morgen Krieg. Und der der findet tatsächlich jeden Tag statt! Auf der Strasse. Erstmal Tank randvoll machen für 15 Euro. Dann: nie blinken. Das Tempolimit mindestens um 100 kmh überschreiten. In der Stadt natürlich. Bullenwagen auf dem Standstreifen überholen. Die Verkehrsbullen haben so eine moderierende Funktion, sind den ganzen Tag mit der Aufnahme von Unfällen beschäftigt und wenn mal gerade kein Unfall ist, dann heizen sie selber wie die Blöden. Im dichtesten Verkehr auf 50 Zentimeter dem Vordermann auf die Pelle rücken. Aus allen Fernlichtkanonen feuern und sich den Weg bahnen. Auf der 4-spurigen Autobahn ganz links eine fünfte Jetzt-Komm-Ich-Spur eröffnen. Stopp-Schilder als grobe Empfehlung und vagen Hinweis auf eine Querstrasse. Zebrastreifen als klare Ansage an alle Fußgänger, dass dieses Stück Land den Autos gehört. An der Schlange vor der roten Ampel auf der Gegenspur vorbeifahren und Erster sein. Nie anschnallen. Reihenweise den Heldentod sterben. Ist aber egal, morgen fliege ich wieder mal in die rheinische Heimat. Und schau mal nach, ob Teipel’s Verschwende Deine Jugend wirklich schon wieder so alt ist, wie es das Datum des Interviews (s.o.) vermuten lässt. In dem Buch gibt’s so ein paar Dinge, die irgendwie im geheimnisvoll-unklaren bleiben. Wenn auch in deinem blog das ein oder andere Bild von Ramon Luis zu sehen ist, beschäftigt (?) mich nach wie vor die Aussage „der ist schon lange verschwunden“. Oder betraf das Sador Weinschlucker, der ja eher aus der Stumpff’schen Ecke kam? Wie auch immer, das Buch liegt (noch) in 3000 Meilen Entfernung. Und was ist aus Zonker Davidson geworden? Ist irgendwas bekannt über den Verbleib der erwähnten Personen?

Grüße aus dem stumpfen Land mit rondo-blauem Himmel über der Wüste,
der Kultmann

Hier eine kleine Ergänzung zur letzten mail: gestern bei Ankunft am Flughafen fielen gleich wieder die Heerscharen an Überautos deutscher, japanischer und amerikanischer Provenienz ins Auge. Gut, viele davon laufen auf Kredit, denn auch der Durchschnitts-Einheimische spielt nur zu gerne Scheich oder Ölprinz. Aber die Boliden sind unbestritten da, bezahlt oder nicht. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Baufahrzeuge. 


 
Die sind teuer und die Kohle gibt man selbstredend deutlich lieber für den neuen Mercedes S 63 AMG aus. Also, was tun, fragt sich da der geschäftstüchtige Fuhrunternehmer? Erstmal den Daimler kaufen, logisch. Dann für das Speditions- und Logistikunternehmen alte LKW-Gurken aus Europa, respektive Deutschland, importieren. Technisches Gerät aus Zeiten, da war das Wort Logistik noch gar nicht erfunden.
Da drauf einen pakistanischen Gastarbeiter als Fahrer setzen (max. 200€ netto pro Monat), dann Logistikrechnungen mit europäischen Preisen schreiben und kurze Zeit später als Ergänzung zum Benz noch einen Nissan-Geländewagen kaufen (Wertschöpfungskette).

Man ist schließlich in der Wüste und, wie in der letzten mail beschrieben, es herrscht ein täglicher Krieg im Straßenverkehr. Und deshalb heißt der größte Geländewagen von Nissan auch gleich mal Armada. Analog zur Öltank-Werbung aus den Siebzigern: Ich bin zwei Schiffe. Bilder-Kostproben Nummer zwei und drei sind folglich LKW aus Arabien im Jahre 2008 und 2009. Anmerkung dazu: Holz Trum ist ein Holzhändler aus Rösrath bei Köln…

Armada zum Zweiten: der Hersteller des Armada hat zwar nicht den Krieg, aber doch eine Schlacht verloren. Bei einer Recherche zum Thema Leistung und Drehmoment verschiedener Autos gab ich dem Rechner ein gut gemeintes www.nissan.com. Das Ergebnis fiel anders aus als geplant; die Eingabe der genannten web-Adresse ist zur Nachahmung empfohlen, zwar mit dürftigem layout, dafür überraschendem Inhalt und lustigen Aufkleber-Motiven zum Selberdrucken. Wer aber was über Nissan-Autos wissen möchte sollte es besser mit www.nissan-global.com versuchen.

nach diesem beispielhaft freundlichen feedback, das uns aus der wüste erreichte, folgt ein musikstück, das nichts mit rondo zu tun hat, zu dem es kein bild gibt, und das ein symphatischer beweis dafür ist, dass berlin zur frühzeit der germanischen punk - adaption wesentlich näher an los angeles grenzte, als der rest deutschlands diesseits der transitstrecke.

die dirty needs waren die vorläufer der ffurs, und die aufnahme entstand im mai 1978 per 4-spur im übungsraum.

trevor watkins: voc
andy axman: git/bass
burkhard rausch: dr

wild boys

danke an christian baumjohann!

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3 Kommentare
Kommentar hinterlassen

LSD (Lovely Salvador Dali)

Kommentar von ghee 04.22.09 @ 10:11

ist das sw-foto ein modell des berümten (?) atomreaktor-beriebenen pkw aus den 50er jahren? (früher war mehr future)

Kommentar von halbwissen 04.23.09 @ 13:52

oh, keine ahnung, - die bezeichnung >ford nucleon< würde dazu passen! :-)

Kommentar von franz 04.23.09 @ 14:02



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