xao seffcheque und der rest: lied vom verlorenen wort (1981)
Mittwoch 25. Februar 2009, 12:39
Abgelegt unter: Musik

 

 
fotos: ar/gee gleim

lied vom verlorenen wort

VOM VERLORENEN ZUM WIEDER ERLANGTEN WORT


Nach der Veröffentlichung von “Ja – Nein – Vielleicht”, die sehr gute Kritiken hatte, auch oder eben genau weil diese LP erstmals keine Satire, sondern wirklich “Musik aus Musik” war, fühlte ich mich etwas orientierungslos, wie es mit mir und der Musik weiter gehen könnte und sollte.

Zum einen war absehbar, dass der NDW-Boom sich mehr und mehr auf die große Plattenindustrie verlagern, und damit bald zu seinem (verdienten!) schmählichen Ende kommen würde. Davon blieb natürlich auch die Platenfirma SCHALLMAUER nicht verschont, die nach dem Motto “Scheiße an die Wand klatschen und gucken, was kleben bleibt” Scheibe um Scheibe raus knüppelte, nachdem sie mit “Sehr gut kommt sehr gut”, der KFC-LP “Letzte Hoffnung” und vor Allem mit der “NICHTS”-LP das Geld erstmal gar nicht so schnell zum Studiofenster raus schmeißen konnte, wie es rein kam.

“Ja – Nein – Vielleicht “ startete nach dem Erfolg von “Sehr gut kommt sehr gut” mit 5.000 Exemplaren, die aber entgegen unser aller Hoffnungen nicht wirklich rasant weg gingen, ungeachtet der positiven Rezensionen, Einladungen auch zu “seriösen” Radio-Sendungen und der nach wie vor bestehenden Popularität meiner Person, die durch meine Arbeit für SOUNDS , ÜBERBLICK, und inzwischen auch SPEX gestützt wurde. Die Rieger-Bros von SCHALLMAUER setzten auch nicht mehr so sehr auf Leute wie mich oder Tommy Stumpff, sondern mehr auf jene Bands, die NDW-like daher kamen, von SYLVIA, SILVIE & DIE AWACS über NICHTS bis hin zu ÖSTRO-430, die sich schon immer etwas poppiger definierten und anderen, zum Teil schlimmen Projekten, die zu Recht nicht mal jene mehr finden werden, die irgendwann unter dem ganzen radio- und fernsehaktivem Schutt nach der Geisteshaltung dieser Epoche wühlen müssen.

In dieser Phase Ende 1981 nahm ich bei Albertini & Grube, die so etwas wie das Hausstudio für SCHALLMAUER waren, einige Tracks auf, teilweise noch basierend auf Sequenzer-Out-Takes der letzten beiden LPs, teilweise wechselseitig infiziert mit und durch Chrislo Haas, der zu diesem Zeitpunkt zusammen mit seiner Freundin in der Kellerwohnung Brunnenstraße 62 in Düsseldorf bei mir hauste und werkelte, teilweise aber auch schon jene Ideen vorweg nehmend, die ich später zusammen mit Janie J. Jones a.k.a. Peter Hein mit FAMILY FIVE umsetzen konnte.

Ich war selbst unentschieden, wohin ich mich bewegen sollte: Mit Pop kokettierender Avantgardist oder avantgardistischer Popmusiker? Elektronisch kontaminierter Dance/Funk für Fortgeschrittene oder waviger Roughsound ohne Rücksicht auf Verluste?  Was wäre, wenn Hitler den 2. Weltkrieg nicht gewonnen hätte? Ent oder weder?
Denn gleichzeitig begann ich auch, gemeinsam mit Janie, einen Song aus “SEHR GUT KOMMT SEHR GUT” zu bearbeiten: “Bring Deinen Körper auf die Party”. Was zur Geburtsstunde von FAMILY  FIVE wurde, ohne dass wir das auch nur ansatzweise so ernst nahmen, wie es dann für die nächsten 27 Jahre wurde (6 Alben, 3 Mini-Alben, 3 Maxi-EPs, 9 Singles, ein halbes Dutzend CD-Re-Issues, über 30 Sampler-Tracks etc.).

“Vom verlorenen Wort” war also noch der Phantasie geschuldet, eine Solo-Karriere als Musiker durchzuziehen, frei nach dem Da-Vinci-Code “Das Experiment irrt nie, es irren die Urteile!”
Die Idee zu solcher Musik hatte zwar nach wie vor Einiges für sich; was mir aber partout spätestens nach der Aufnahme zu diesem Stück saukrass auffiel: Ich mochte meine Gesangsstimme nicht, fand sie zu unvariabel, zu unbeweglich. Zudem fiel mir auf, dass mir textlich zu wenig einfiel. Der Titel “Vom verlorenen Wort” war da einfach eine dreiste Flucht nach vorne. (Es sollte in der Tat fast ein Vierteljahrhundert dauern, bis ich wieder allein einen Songtext schrieb, der mir auch selbst wirklich gefiel: “Zu spät” auf dem letzten FAMILY FIVE-Album “Wege zum Ruhm”, 2004).

Da ich aber keine Lust hatte, pure Instrumentalmusik zu machen und anderen Sängern – mit Ausnahme vielleicht von Julie Jigsaw, die jedoch ein eher flüchtiges Ereignis in meinem musikalischen Leben bleiben sollte und Mike Hentz, den ich hier wohl auch (unabsichtlich) nachempfand – diese meine Musik nicht so einfach zumuten wollte, war dieses Lied gleichzeitig auch das Ende meiner Solo-Laufbahn.
Erst 2006 lebte sie – ‘türlich wieder satirisch – erneut auf, als ich für einen Gunter-Gabriel-Tribute-Sampler eine zynische Paraphrase zu “Hey Boss, ich brauch mehr Geld” (gemeinsam mit Ralf Schienke, Ex-DIE PROFIS) aufnahm, die es später dann sogar auf den Jahresbesten-Sampler des MusikMags ROLLING STONE (sic!) schaffte.
Aber da war das Wort bereits endgültig verloren…

xao seffcheque, dezember 2008

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3 Kommentare
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würde gerne nochmal “hauruck - ich liebe dich” hören…

Kommentar von deddelexmayer 03.05.09 @ 21:23

:-) dann versuchs mal hier:
http://www.rondo-ton.de/rondo-singles-sessions/sternhagel-hau-ruck-fit-6-1980/
gruss, franz

Kommentar von franz 03.06.09 @ 00:17

danke

Kommentar von deddelexmayer 03.09.09 @ 11:18



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